Du schuldest es Deinem Land!

„Frage nicht was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst!“ (J. F. Kennedy)

SofaWo ich am Mittwoch das Halbfinale anschaue? Na hier. Auf diesem leicht durchgesessenen, in die Jahre gekommenen Sofa im Wohnzimmer. Mit dabei natürlich mein IKEA-Fußballkissen (Sorry nochmal Michael, dass ich es Dir nach dem 4:0 am Samstag im Torjubel auf den Kopf gehauen habe…).

Vor dem Viertelfinale hatte ich noch mit meinem Schwiegervater vereinbart, dass wir gemeinsam bei ihm gucken, auf seinem neuen Riesenflachbildbildschirm.

Das war damals zur Schau gestellter Optimismus. Ja, wir machen schon Pläne für das Halbfinale. Natürlich sind wir dann immer noch im Turnier. Keine Frage. Wer ist Argentinien? Das pure Pfeifen im Walde…

Dann kam der Samstag. Ich ließ mich rechtzeitig (60 Minuten vor dem Anstoß) auf meinem Stammplatz nieder. Rechts außen auf o.g. Sofa. Freunde kamen dazu. Man respektierte meinen Stammplatz. Es ist natürlich der Platz mit der besten Sicht auf den Fernseher und als Gastgeber bietet man seinen Gästen ja normalerweise die guten Plätze an. Aber wahre Freunde wissen, dass es wichtig ist, gewisse Rituale beizubehalten.

Ich saß dort gegen Australien und ich saß dort gegen England. Keine Frage, dass ich dort auch gegen den Argentinier sitzen würde. Trotz Nervosität wurde noch gescherzt: „Wenn Du da sitzt, schießen wir wieder vier. Haha.“ Von wegen „Haha“, je mehr Tore wir den „Gauchos“ einschenkten, umso unruhiger wurde ich. Als das Spiel vorbei war, war es nicht mehr zu leugnen: Die vier Tore verdankt die Fußballnation mir und meinem Sofa!

Als ich nach dem Spiel von meinen Plänen berichtete, das Halbfinale auswärts zu schauen, regte sich Widerstand im Freundeskreis. „Du musst auf dem Vier-Tore-Sofa sitzen, sonst haben wir keine Chance gegen den Spanier. Du schuldest es Deinem Land!“

Wenig später erhielt ich sogar eine Textnachricht folgenden Inhalts: „Ich appeliere mit Blick auf Mittwoch an Dein Verantwortungsgefühl gegenüber dem Team!“

Maximales Dilemma! Was tun. Ich bin mir meiner Verantwortung für die Nation bewusst. Aber meinen Schwiegervater, der diesen Status in Kürze erst offiziell erreichen wird, versetzen? Und seinen großen Flachbildschirm? Das Abendessen der Schwiegermutter? Dilemma.

Die Lösung: Die Schwiegereltern kommen einfach zu uns zum Gucken. Sehr gute Idee. Doch da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Als meine Freundin den Vorschlag zur vermeindlichen Rettung des Familienfriedens unterbreitete, traf sie auf größtes Verständnis: „Klar, der muss das Spiel daheim gucken, auf’m Sofa. Am Ende verliern wir noch wegen ihm.“

Und auf die Frage, ob Schwiegerpapa dann nicht vielleicht bei uns schauen wolle: „Auf gar keinen Fall. Ich muss in der Halbzeit die Siegerkerze anzünden. Das bin ich meinem Land schuldig…“

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4 Antworten zu Du schuldest es Deinem Land!

  1. Dennis schreibt:

    Haha, der Schweigerpapa… cool.

  2. SchwäbinInWien schreibt:

    …. same procedure – different place ;-)!
    Grüße von einer Schwäbin in Wien

  3. Pingback: Claudemir Jeronimo Barreto | fritzwalterwetter

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