Twitter, (Rad)Sport und Testosteronpflaster

Achtung hier wird es ein wenig off-topic!

Twitter und Facebook haben – das kann ich zumindest für mich behaupten – das Rezeptionsverhalten bei Sportveranstaltungen stark gewandelt.

Eben gerade lese ich einen „Tweet“ von Radprofi Andy Schleck. Er „retweetet“ einen anderen Radprofi, nämlich Alberto Contador und zitiert ihn:

Very important day today!

Soweit nichts besonderes, wenn es sich bei den beiden Herren nicht um die beiden führenden der laufenden Tour de France handeln würde, die sich heute im entscheidenden Zeitfahren um den Toursieg duellieren. Nicht nur können wir Rezipienten und Sportfans über Twitter & Co. in Echtzeit unsere Meinung zu den Geschehnissen abgeben, nein, auch viele Sportler nutzen diese direkteste aller Kommunikationsformen. Zugegeben, die Erkenntnis, die Contador in die Welt „twittert“ ist für Eingeweihte von keinem besonderen Nachrichtenwert aber es gibt auch andere Besispiele, bei denen sich der Radsportinteressierte über Twitter interessante Informationen aneignen kann.

Vorreiter war und ist hier sicher Radlegende Lance Armstrong, der es wie kaum ein anderer versteht die modernen Medien und Kanäle für sich und vor allem auch seine Stiftung Livestrong zu nutzen. Höhepunkt war die Tour 2009. Fast täglich veröffentlichte Armstrong Videos und Blogeinträge mit Hintergrundinfos rund um ihn und sein Team. In diesem Jahr ist er nicht ganz so präsent. Vielleicht hat er andere Dinge, um die er sich nach Feierabend kümmern muss.

Vermutlich hat Armstrong in Radlerkreisen Werbung gemacht für das Twittern. Mittlerweile gibt es neben Armstrong, Schleck und Contador zahlreiche andere Accounts aus der Radsportzene. Teamchef Johann Bruyneel, Andreas Klöden, George Hincapie, David Szabriske, Andys Bruder Fränk Schleck und andere.

In anderen Sportarten ist diese Kommunikationsform noch nicht so sehr verbreitet. Diego Forlan, Gewinner des goldenen Balles bei der WM 2010, gibt über seinen Account Einblicke in seinen Alltag. Besonders interessant war das Bild vom Grillabend der Nationalmannschaft Uruguays während der WM, welches er exklusiv ins Netz gestellt hat. Nix für Vegetarier.

Auch der US-Kicker Landon Donavan twittert regelmäßig und aus der Bundesliga fällt mir spontan der Neu-Mainzer Lewis Holtby ein. Auch hier gibt es direkte Einblicke, die man über die herkömmlichen Medien nicht bekommen hätte.

Das WM-Endspiel habe ich übrigens mit einem Auge auf Twitter verfolgt. 95% aller „Tweets“ in meiner „Timeline“ beschäftigten sich mit dem Spiel. Ein Trend, der bei Großereignissen auch in Zukunft nicht mehr wegzudenken ist. Lediglich, wenn ich emotional involviert bin, dann leg ich Smartphone und Rechner zur Seite und konzentriere mich auf das Wesentliche. Die Wahrheit liegt schließlich auf’m Platz.

PS: Der Radsport im Allgemeinen und die Tour de France im Speziellen übt eine enorme Faszination auf mich aus. Wer schon einmal selbst versucht hat, einen dieser Berge der Hours-Categorie raufzuradeln, der weiß, dass es eine unglaubliche Quälerei sein muss, dies auch noch in höchstem Tempo zu tun. Wer schon einmal an den Anstiegen der berühmten Alpenpässe mit zig Tausenden anderer Fans campierte und auf die Fahrer gewartet hat, der hat auch Hochachtung vor allen, die die Tour zu Ende fahren. Gibt es härtere Sportarten? Die vielen positiven Dopingproben der Vergangenheit und auch die Dopinggeständnisse von dem ein oder anderen Radprofi, dem man das nie zugetraut hätte, legen den Verdacht nahe, dass Doping im Profiradsport (vermutlich auch in anderen (Ausdauer)Sportarten) flächendeckend abläuft. Die Siegerlisten der vergangenen Jahre sind fast immer auch mit irgendwelchen Dopingverdächtigungen oder sogar konkreten Vergehen in Zusammenhang zu bringen. Diese Erkenntnis setzte sich bei mir endgültig nach der Tour 2006 durch, als ich noch staunend auf der Etappe nach Morzine am Aufstieg zum Col de Joux Plane am Straßenrand stand und der spätere „Sieger“ Floyd Landis an uns vorbeiflog, nur um wenig später zu erfahren, dass ein Testosteronpflaster am Sieg beteiligt war. Ich kam mir verschaukelt vor. Wen soll man da noch anfeuern? Vielleicht hat Jan Ullrich ja Recht, der stets behauptet, er habe niemanden in seiner Karriere betrogen. Wenn nämlich alle dopen, ist es auch kein Betrug mehr…

PPS: Sorry auch wegen der vielen komischen Ausdrücke „Tweets“, „Timeline“ usw.

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