Rasen-Ballsport

Stellen Sie sich vor, Sie wären Inhaber eines gut gehenden Getränkehandels. Sie haben so viel Geld im Marketingbudget, dass Sie sich schon in diversen Sportarten als Sponsor engagieren. Auch eine Fußballmannschaft in der ersten Liga Ihres Heimatlandes haben Sie sich (unter Protest der Fans) „gekauft“. Vereinswappen, Vereinsfarben wurden einfach ausgetauscht.

Die Übernahme des Traditionsvereins ging leider nicht ganz geräuschlos über die Bühne. Die ganzen Traditionalisten unter den Fußballfans warfen Ihnen schlimme Sachen an den Kopf. Zunächst nur im eigenen Land, doch dann auch in den Nachbarligen. Die Stadien waren voll mit Bannern mit wenig schmeichelhaften Texten.

Aber die vielen Proteste halfen nichts. Die Vereinsübernahme hat geklappt. Und wie das so üblich ist, ist Gras über die Sache gewachsen. Sie konnten sogar den Vereinsnamen ändern und Ihren Firmennamen einsetzen. Gleiches gelingt in der „US Major Leaugue Soccer“ in der Vereine ohnehin schon „Franchise“ heißen.

Ein Verein in der kleinen Liga des Heimatlandes und in den Staaten sind schön und gut –  aber jetzt ist da noch das große Nachbarland, in dem Ihre Getränke bereits ganz gut verkauft werden, wo aber noch ordentlich Potenzial nach oben ist (das sagen Ihnen Ihre Consultants), ein Land in dem der Fußball boomt. Da sollte doch was Ähnliches machbar sein, wie daheim.

Der richtige „Standort“ ist schnell gefunden. Eine Stadt in der man sich nach einem höherklassigen Verein sehnt, wo es schon ein schickes Stadion für die rosige Zukunft gibt. Dumm nur, dass es in dem Land eine antiquierte, reaktionäre Regelung gibt, wonach man den Vereinsnamen nicht an den Sponsorennamen anpassen darf. Schöne Bescherung. Aber Sie sind ja kreativ. Dann wird der Verein einfach so umbenannt, dass wenigstens die Initialien stimmen, das Vereinswappen oder besser: das neue Key Visual ähnelt nach dem Relaunch dem in der Heimatfiliale. Zugegeben, ganz neu ist diese Idee nicht aber es funktioniert. Sogar seriöse und für ihr feines Gespür für die Fußballkultur bekannte Medien nennen Ihren Firmennamen im Zusammenhang mit dem Verein. Und wenn die schon nicht sensibel genug sind, dann darf man es von anderen auch nicht erwarten. Hier oder wenig überraschend hier oder hier… Klappt doch ganz gut, wenn man den Medien den Sponsornamen quasi in den Block diktiert, obwohl der Verein eigentlich ganz anders heißt. Darauf einen Energydrink!

Nun gibt es immer verschiedene Sichtweisen eines solchen „Projekts“ aber einem Sponsor, dem Vereinstradition und Fanbelange, wie im Fall von Austria Salzburg, völlig egal sind, sollte man mit der nötigen Skepsis begegnen. Noch ein Grund warum die 50+1 Regelung wichtig und notwendig ist.

Ich mochte die süße Brühe übrigens noch nie.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter unspezifisch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Rasen-Ballsport

  1. Pingback: Nochmal Rasen-Ballsport | fritzwalterwetter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s