Huntelaars Hand

Groß war die Aufregung gestern ab der 75. Minute in Wolfsburg beim Spiel des VFL gegen Schalke 04. Der Schalker Stürmer Jan Klaas Huntelaar konnte ein Anspiel nur unter Zuhilfenahme seiner linken Hand kontrollieren. Den Ball versenkte der Niederländer dann zum 2:2 Endstand im Wolfburger Netz. Hier gibt es einen Mitschnitt der Szene im Video.

Schiedsrichter Wolfgang Stark lies sich von den Protesten der Wolfsburger Spieler, Verantwortlichen und Fans nicht beirren und entschied auf Tor. Später gab Stark zu Protokoll, dass er wohl einen „spielentscheidenden Fehler“ begangen habe.

Wieder einmal hört man in der Berichterstattung über solchen Situationen den üblichen Fachjargon: Absichtlich oder unbeabsichtigt, geht die Hand zum Ball oder der Ball zur Hand, ist es eine natürliche Bewegung…

Kaum eine Regel bietet einen solchen Interpretationsspielraum. Huntelaar sprach gestern davon, dass es keine Absicht war. Hat er Recht und wendet man das auf die Regel an, dann wäre der Treffer regulär.

In der Regel heißt es:

Handspiel

Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt. Der Schiedsrichter achtet bei der Beurteilung der Situation auf die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand), die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwartetes Zuspiel), die Position der Hand (Das Berühren des Balls an sich ist noch keinVergehen.) (…).

Auch Schalke-Trainer Magath sprach nach dem Spiel davon, dass Absicht vorliegen müsse. Aber wie kann man Absicht nachweisen, ohne den Spieler an den Lügendetektor anzuschließen? Die Bewegung der Hand zum Ball ist da ein Indikator. Und bei Betrachtung der Fernsehbilder kann man keine Bewegung von Huntelaars Hand zum Ball erkennen. Er zieht die Hand allerdings auch nicht weg. Für Huntelaar spricht, dass er einen Sekundenbruchteil lang desorientiert und von der Richtungsänderung des Balles überrascht scheint. So oder so ist die Situation schwer zu beurteilen. Vor allem, wenn man als Schiedsrichter nicht die optimale Sicht auf das Geschehen hat und vor allem sofort eine Entscheidung treffen muss.

Interessanterweise war es der jetzige Schalke-Coach Felix Magath (damals noch Trainer des VFL Wolfsburg), der vor Jahren bereits eine Überarbeitung der Regel forderte.

Wie aber könnte so eine Regelreform aussehen? Alles was an die Hand geht, wird gepfiffen? Dann werden die Stürmer in Zukunft reihenweise versuchen ihren Gegenspielern im Strafraum, den Ball an die Hand zu schießen. Das wäre keine gute Lösung.

Ich fürchte, es wird bei Regel in dieser Form bleiben und wir werden weiterhin mit solchen Diskussionen leben müssen und damit verbunden auch mir gefühlter Ungerechtigkeit.

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